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Rechnen lernen

 

Unser Angebot ist lösungsorientiert, d.h. ein Kind, das nicht rechnen kann, sollte das Rechnen erlernen und dabei möglichst viel Spaß haben. Genau dies ist die Aufgabe unserer Rechenpaten in der Zusammenarbeit mit Ihren Kindern/Jugendlichen und Ihnen.

 

Die Zuschreibung eines Status wie "Dyskalkulie", "Rechenschwäche" usw. ist für uns unerheblich. Vielmehr sind diese Zuschreibungen dann von Vorteil, wenn Sie im Rahmen institutioneller Regelungen (z.B. im Rahmen des §35a des SGB VIII) Hilfe erhalten möchten. 

 

Ausgangspunkt unserer Förderung sind konkrete, subjektiv empfundene Herausforderungen. Entscheidend für uns ist einerseits sowohl die Tatsache, dass ein Kind denkt "Mathe ist doof" oder noch schlimmer "Ich bin zu doof für Mathe" als auch die Tatsache, dass das Kind im Fach Mathematik gemessen an den schulischen Noten "schlecht" ist. Vollkommen unabhängig von der persönlichen Einstellung ermitteln wir in einer Eingangsdiagnostik stets konkrete Tätigkeitsfelder für die Förderung. Daraus ergibt sich dann ein individuell abgestimmter Mix aus

  • mathematischer Förderung
  • Verbesserung der Selbstwirksamkeitserwartung
  • Verstärkung der Motivation, sich mit der Mathematik zu beschäftigen

Die mathematische Förderung überlagert dabei die beiden anderen Felder, denn Kinder die oft erfolgreich mathematische Herausforderungen bearbeitet haben, erwarten, auch in Zukunft erfolgreich zu sein und sind entsprechend motiviert. Nur wie wird der Anfang gemacht, wenn das Kind zahlreiche Misserfolge hinter sich hat und unmotiviert ist? Die Antwort lautet: Spielen! Alle Kinder spielen gern und wir fordern sie immer wieder auf, mit uns zu spielen. Mit fortschreitender Motivation tritt der spielerische Aspekt zunehmend in den Hintergrund und der mathematische Kern wird fokussiert. 

 

In unserer Weiterbildung wird den Rechenpaten das konzeptionelle Handwerkszeug, mit dem alle Kinder und Jugendlichen gefördert werden können, an die Hand gegeben. Darüber hinaus erfahren sie,  wie sie das Konzept an die Erfordernisse des jeweiligen Kindes anpassen können, wodurch das Bewusstsein für die grundsätzliche Notwendigkeit dieser Modifizierung geschärft wird. Ein Konzept ist eben nur so gut, wie derjenige, der es umsetzt. Mit dem Wissen um diesen entscheidenden Unterschied heben wir uns deutlich von den vielzähligen Angeboten am Nachhilfemarkt ab.

 

Nachhilfe zielt aus unserer Sicht vor allem auf ein positives Evaluationsergebnis ab. Dafür genügt es, die Ergebnisproduktion zu trainieren, die in richtig und falsch differenziert. Inhalte beziehen sich in der Regel auf die formalen Anforderungen, die den Rahmenlehrplänen entsprechen. Die individuelle Ausgangslage des Kindes findet nur eine geringe Berücksichtigung, denn das Ziel ist die gute Zensur in der nächsten Klassenarbeit.

 

Die Rechenpaten hingegen zielen auf mathematische Bildung und damit auf nachhaltiges Wissen ab. Der abstrakte Gehalt der Arithmetik, der sich in zahlenmäßig dargestellten Strukturen niederschlägt und einer sprachlichen Reflexion bedarf, ist Gegenstand der Förderung. Dabei steht die individuelle Ausgangslage des Kindes im Mittelpunkt der nachhaltigen Bildung.

Ebenen mathematischer Bildung

Rechnen lernen bezeichnet die Berechnung richtiger Ergebnisse. Diese Fähigkeit wird vor allem in Ausbildungsberufen nachgefragt. Die Reduzierung der Schulmathematik auf diesen Aspekt ist  sehr verbreitet und wird daher von uns in der öffentlichen Darstellung verwendet.

Mathematische Bildung fokussiert quantitative Beziehungen, die über Rechenoperationen hergestellt werden. Die sprachliche Darstellung erkannter mathematischer Strukturen und Muster spielt ein zentrale Rolle.

Der sichere Umgang mit mathematischen Strukturen findet seinen Niederschlag in der Modellierung alltagspraktischer und semiberuflicher Kontexte. Die Fähigkeit zur Strukturiererung nichtmathematischer Sachverhalte ist zentral für die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs und Voraussetzung für zahlreiche berufliche Positionen.

Die Fördertätigkeit der Rechenpaten bezieht sich auf alle drei Ebenen, tendenziell wird die mathematische Bildung fokussiert.

Sprache und Mathematik

Im Sinne mathematischer Bildung ist Mathematik der Umgang mit abstrakten Strukturen. Die Abstraktionsfähigkeit steht im Mittelpunkt einer so verstandenen Schulmathematik. Abstraktionsfähigkeit wird vor allem sprachlich vermittelt. Gemeint ist hier eine Sprache mit hohem abstrakten Gehalt. Im wissenschaftlichen Rahmen wird dies als kontextfreie Sprache, im Schulumfeld als Bildungssprache bezeichnet. Diese Sprache zeichnet sich vor allem aus durch Substantivierungen, Passivierungen, konzeptioneller Schriftlichkeit auch in mündlichen Äußerungen und einer Fokussierung auf den Inhalt und weniger auf die Form (Gestik, Mimik).

Mathematische Bildung ist ohne Sprachbildung nicht denkbar. Und umgekehrt geht der Erwerb von Bildungssprache einher mit der Ausbildung abstrakten Denkens. Daher gilt "Sprache ist unbewusste Philosophie" und bezogen auf die Erkennung abstrakter Strukturen "Du kannst nur sehen was du denken kannst".

Die bildungssprachliche Ausdrucksweise ist ein zentrales Tätigkeitsfeld bei der Förderung durch Rechenpaten.

Hierarchische Struktur der Arithmetik

Aufgabe der Arithmetik der Grundschule ist die Erweiterung des Zahlbegriffs und damit einhergehend der Rechenoperationen. Der Begriff "Erweiterung" weist darauf hin, dass vor dem Hintergrund eines bisher verwendeten Zahlbegriffs eine Erweiterung stattfindet. Ein Zahlbegriff bereitet den jeweils nächsten vor. Fehlt ein Zahlbegriff, so kann der nächste nicht in seiner vollen Tiefe und Tragweite entwickelt werden. Die Lücke setzt sich fort und bildet ein immer größeres Feld unverstandenen Wissens aus. Dies geschieht nicht zwangsläufig, denn in vielen Fällen schließen Kinder die Lücken durch Analogiebildung und Übertragung. Sehr häufig jedoch bleiben die Lücken und setzen sich bis in die Sekundarstufe fort.

Im Rahmen der Förder- und Verlaufsdiagnostik erkennen Rechenpaten die Lücken und setzen entsprechend an diesen mathematischen Inhalten an.



Die Förderbox

Die hohen Anforderungen an die Flexiblilität einer individualisierten Förderung verlangt nach einer Standardisierung der konkreten Fördersituation. Dies hat Frau Dr. Pixner mit der Entwicklung der "TIGRO-Förderbox und Zusatzbox" umgesetzt, die die Grundlage unseres spielerischen Förderkonzeptes sicherstellen.

Ausgangspunkt jeder mathematischen Abstraktion ist die konkrete Darstellung mathematischer Sachverhalte. Dafür ist ein geeignetes didaktisches Material erforderlich, das für die "TIGRO-Förderbox ud Zusatzbox" ausgewählt und zusammengestellt wurde. So kleiden die Spielideen und -materialien ein bewährtes didaktisches Vorgehen in einen spielerischen Kontext ein.

Aus diesem Grund ist die Förderung durch Rechenpaten stets an das Vorhandensein der "TIGRO- Förderbox und Zusatzbox" gebunden. Für die private Förderung können die entsprechenden Spiele – am besten nach Absprache mit dem Rechenpaten – im TIGRO-Shop erworben werden.